Liturgica V

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Orietur Occidens

Gemeinsamer Neujahrsgottesdienst aller Gemeinden

Sonntag, 13. Januar 2019

Eine Einladung, den Glauben nicht ernst zu nehmen

Ein Krippenspiel, an sich eine schöne Sache, eine Freude für alle Teilnehmer und ihre Angehörigen.
Nur: eine schöne Sache zur falschen Zeit am falschen Ort bringt eine falsche Botschaft mit sich.
Eine «Hl. Messe für die gesamte Stadtpfarrei» ist heute morgen in unserer Kirche im Gründerzeitviertel angesagt; das heißt: in allen anderen Kirche unserer Großstadt fallen die Messen am Vormittag aus; in der abgelegensten Gemeindekirche gibt es deshalb an diesem Sonntag gar keine Messe.
Schon als ich in die Kirche komme, ist zu sehen, daß das nicht gut ausgehen wird: vorm Altar, Rücklehne zum Altar gewandt, steht ein Liegestuhl. Der Hauptzelebrant erklärt, heute werde ein Spiel, ein «Musical», an die Stelle der Predigt treten, darum werde der Wortgottesdienst gekürzt werden.
Die Wirklichkeit: beide Lesungen fallen aus, auf das Tagesgebet folgt sogleich das Halleluja; nach dem Evangelium dann das Krippenspiel.
Dieses beginnt mit emsigem Kulissenschieben durch den ganzen Altarraum hindurch; dabei zeigt sich wiederum, daß der heilige Ort in keiner Weise mehr beachtet wird. Das Spiel ist um ein Mehrfaches länger als eine Predigt, zwischen seinem Inhalt und der Messe gibt es keinen Zusammenhang. Wie zu erwarten, sitzt bald jemand auf dem (aufgerichteten) Liegestuhl, den Rücken zu Altar und Tabernakel. Später stehen noch Kulissen an den Altar gelehnt.
Bei den Vermeldungen schließlich kommen die Akteure noch einmal nach vorne, erhalten Applaus und Blumen, wie es ja Theaterbrauch ist. Dabei stehen sie wieder mit dem Rücken zu Altar und Tabernakel.
Den Jugendlichen ist nichts vorzuwerfen – sie kennen es nicht anders. Das zeigte sich schon vor der Messe: eine der Mitwirkenden trat vor und bat, alle Händies auszuschalten, weil es sonst zu Problemen bei der Technik kommen könne – als sei es nicht schon aus anderen, noch gewichtigeren Gründen selbstverständlich, während eines Gottesdienstes Händygeklingel zu vermeiden.
Die Kirche hat einen großen Gemeindesaal; das Krippenspiel hätte auch dort aufgeführt werden können.
Die Botschaft dieser Aufführung: Für ein Spiel könne die Liturgie mit ihren Schriftlesungen hintangestellt werden. Der Altar – und somit das, was sich auf ihm ereignet – sei weniger wichtig; das Tabernakel – und somit das, was er enthält – sei weniger wichtig.
Karl Rahner, so wird berichtet, habe einmal im Gespräch mit Kardinal Suenens gesagt, «dass die Christen heute eine Tendenz haben, aus dem Christentum eine Abstraktion zu machen.»
Hier erscheint heute der christliche Glaube nur noch als Abstraktion, freilich, „ganzheitlich“ sozusagen, mit Theater ausgeschmückt.

W.H.W

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W.H.W

Mariæ Lichtmeß und St. Blasius

Sonntag, 3. Februar 2019

Ganz am Rande ein schönes Glaubenszeugnis

Heute ist die äußere Nachfeier von Mariæ Lichtmeß; darum brennen in der Kirche am Tannenbaum heute noch die Kerzen.
Aber heute ist auch das Fest des heiligen Blasius; zum Schluss also der Blasiussegen: auf der einen Seite spendet ihn der Priester, auf der anderen ein Laie im Chorhemd. Mit solchem „Blasiussegen“ versehen, möchte ich nicht wagen, Fisch zu essen. Aber ich stehe sowieso auf der rechten Seite.
Während ich auf den Segen warte, sehe ich einen kleinen Ministranten für sich allen in die Sakristei gehen; als er den Altarraum verläßt, macht er, zum Hochaltar gewendet, eine tiefe Kniebeuge – ein wohltuendes Glaubenszeugnis zum Schluß des Gottesdienstes.

W.H.W

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